Jugendliche
Alle anderen sind glücklicher?
Du scrollst durch dein Feed: Urlaubsfotos, Partys, perfekte Körper, glückliche Gesichter. Und plötzlich fühlt sich dein eigenes Leben ziemlich gewöhnlich an. Dieses Gefühl kennen viele junge Menschen. Es lohnt sich zu verstehen, woher es kommt.
Was du siehst, ist ein Ausschnitt
Auf Social Media zeigen Menschen vor allem ihre besten Momente. Bilder werden ausgewählt, bearbeitet und mit Filtern verändert. Dazu kommt ein Algorithmus, der dir bevorzugt Inhalte zeigt, die viel Aufmerksamkeit bekommen. Was du siehst, ist deshalb keine Abbildung des echten Lebens, sondern eine sorgfältig ausgewählte Auswahl. Du vergleichst dein ganzes, ungeschminktes Leben mit den Highlights von anderen.
Warum Vergleichen so weh tut
Sich mit anderen zu vergleichen ist menschlich, gerade in der Jugend, wenn du herausfindest, wo du stehst. Online passiert das aber rund um die Uhr, mit Hunderten Vergleichspersonen, die oft älter, fitter oder erfolgreicher aussehen. Das kann das Selbstbild und das Wohlbefinden belasten, vor allem, wenn du dich ohnehin unsicher fühlst. Dazu kommen Likes und Kommentare, die schnell zu einer Art Bewertung deiner Person werden.
Was dir helfen kann
- Beobachten, wie du dich fühlst. Achte darauf, wie es dir nach dem Scrollen geht. Wenn du dich öfter schlechter fühlst, ist das ein Signal.
- Dein Feed gestalten. Du kannst Accounts stummschalten oder entfolgen, die dir nicht guttun, und Menschen und Themen folgen, die dich aufbauen oder inspirieren.
- Pausen einlegen. Handyfreie Zeiten, zum Beispiel beim Essen, vor dem Schlafen oder für einen Nachmittag in der Woche, geben dir Abstand.
- Hinter die Bilder schauen. Frage dich: Was sehe ich hier nicht? Wie viel davon ist inszeniert?
- Dein Leben ausserhalb des Bildschirms pflegen. Hobbys, Sport, Freunde, mit denen du auch ohne Handy Zeit verbringst.
- Offen reden. Du wirst überrascht sein, wie viele Gleichaltrige sich ähnlich fühlen.
Dein Wert hat nichts mit Likes zu tun
Likes zeigen, wie ein Bild angekommen ist, nicht, wie wertvoll du bist. Was dich ausmacht, sind deine Eigenschaften, deine Ideen, dein Humor und die Beziehungen, die du führst. Das lässt sich nicht zählen.
Wann du dir Hilfe holen solltest
Wenn du dich wegen deines Aussehens oder deines Lebens ständig schlecht fühlst, dein Essverhalten sich verändert, du dich zurückziehst oder an nichts mehr Freude hast, sprich mit einer Vertrauensperson oder einer Fachperson. Die Nummer 147 von Pro Juventute ist kostenlos, vertraulich und jederzeit erreichbar.
Ein Hinweis für Eltern
Verbote allein bringen selten etwas. Interessieren Sie sich lieber für das, was Ihr Kind online erlebt, und sprechen Sie offen darüber. Gemeinsam vereinbarte Regeln, zum Beispiel handyfreie Zeiten für die ganze Familie, funktionieren besser als einseitige Kontrolle.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information. Er ersetzt keine medizinische, psychotherapeutische oder psychiatrische Diagnostik und Behandlung.