Sprachen und interkulturelle Erfahrung

Mehrsprachig aufwachsen: Was Familien wissen sollten

Von Andra Adler · · 6 Min. Lesezeit

Spricht mein Kind mit zwei Sprachen später schlechter Deutsch? Soll ich zu Hause lieber nur Deutsch sprechen? Solche Fragen stellen sich viele mehrsprachige Familien. Hier finden Sie ermutigende und alltagstaugliche Antworten.

Mehrsprachigkeit ist eine Chance

Nach heutigem Wissensstand ist es für Kinder gut möglich, mit mehreren Sprachen aufzuwachsen. Mehrsprachigkeit ist keine Ursache für Sprachentwicklungsprobleme. Kinder brauchen dafür aber ausreichend und vielfältigen Kontakt zu jeder Sprache.

Die Familiensprache pflegen

Sprechen Sie mit Ihrem Kind in der Sprache, in der Sie sich am sichersten und natürlichsten ausdrücken. Dort können Sie am besten erzählen, erklären, Gefühle benennen und Geschichten vorlesen. Gerade diese Qualität der Sprache ist für die Entwicklung wichtig. Die Herkunftssprache zu pflegen, stärkt zudem die Beziehung zur Familie und die kulturelle Identität.

Vermischen ist normal

Mehrsprachige Kinder wechseln manchmal mitten im Satz die Sprache. Das ist kein Zeichen von Verwirrung, sondern zeigt, dass sie ihr gesamtes sprachliches Wissen nutzen. Mit der Zeit lernen sie, die Sprachen je nach Gesprächspartner zu trennen.

Mundart und Hochdeutsch

In der Deutschschweiz kommt eine Besonderheit dazu: Kinder erleben im Alltag Mundart und lernen später in der Schule die Standardsprache. Auch das ist eine Art von Mehrsprachigkeit. Es hilft, wenn Kinder viel zuhören, Geschichten erleben und Bilderbücher auf Hochdeutsch kennenlernen.

Tipps für den Alltag

Kulturelle Vielfalt als Ressource

Sprache und Kultur gehören zusammen. Wenn Familien unterschiedliche Werte, Traditionen und Erfahrungen mitbringen, ist es wichtig, sich verstanden zu fühlen. Ich betrachte kulturelle Vielfalt als wertvolle Perspektive, um individuelle Lebenssituationen differenziert zu verstehen.

Wann Sie Rat einholen sollten

Wenn Ihr Kind in keiner seiner Sprachen Fortschritte macht oder Sie sich Sorgen um die Sprachentwicklung machen, kann eine Abklärung bei einer Fachstelle, in der Logopädie oder bei der Kinderärztin sinnvoll sein. Für Fragen rund um Erziehung, Alltag und Sprachen in der Familie bin ich gerne für Sie da.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information. Er ersetzt keine medizinische, psychotherapeutische oder psychiatrische Diagnostik und Behandlung.

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