Mutterschaft
Nicht jede Mama ist sofort glücklich
Das Baby ist da, und alle erwarten, dass Sie überglücklich sind. Doch in Ihnen fühlt es sich anders an: erschöpft, traurig, überfordert oder einfach leer. Das ist nichts, wofür Sie sich schämen müssten. Viele Mütter erleben das, und es gibt gute Wege, damit umzugehen.
Der Babyblues: häufig und meist vorübergehend
In den ersten Tagen nach der Geburt fühlen sich viele Frauen emotional sehr empfindlich. Sie weinen schnell, sind gereizt, ängstlich oder stimmungsschwankend. Man nennt das Babyblues. Er tritt meist in den ersten Tagen auf und klingt in der Regel innerhalb von etwa zwei Wochen von selbst wieder ab. Auslöser sind unter anderem die starke hormonelle Umstellung, die Erschöpfung und die grosse Veränderung im Leben.
Wenn es länger dauert: psychische Belastungen
Halten Niedergeschlagenheit, Ängste oder Antriebslosigkeit länger als etwa zwei Wochen an oder werden sie stärker, kann eine behandlungsbedürftige Belastung dahinterstecken, zum Beispiel eine postpartale Depression oder eine Angststörung. Fachleute gehen davon aus, dass etwa jede achte bis zehnte Mutter betroffen ist. Das kann auch erst Wochen oder Monate nach der Geburt beginnen, und auch Väter können betroffen sein.
Mögliche Anzeichen sind:
- anhaltende Traurigkeit, Leere oder Gefühllosigkeit,
- Schlafstörungen, auch wenn das Baby schläft,
- starke Ängste oder ständige Sorgen um das Kind,
- Schuldgefühle und das Gefühl, eine schlechte Mutter zu sein,
- Mühe, sich über das Kind zu freuen oder eine Beziehung aufzubauen,
- Rückzug von Partner, Familie und Freunden.
Das ist keine Schwäche
Eine psychische Belastung nach der Geburt hat nichts mit mangelnder Liebe oder fehlender Eignung als Mutter zu tun. Sie kann jede treffen, unabhängig davon, wie sehr das Kind gewünscht war. Und sie lässt sich gut behandeln, je früher, desto besser.
Was im Alltag entlasten kann
- Hilfe annehmen. Lassen Sie sich im Haushalt, bei der Betreuung oder beim Kochen unterstützen.
- Schlaf schützen. Wenn möglich, schlafen Sie, wenn das Baby schläft, oder teilen Sie sich die Nächte mit dem Partner oder anderen.
- Erwartungen senken. Der Haushalt muss nicht perfekt sein. Das Wichtigste ist, dass Sie und das Kind versorgt sind.
- Austausch suchen. Mit anderen Müttern zu reden, etwa in Müttertreffs, entlastet oft sehr.
- Kleine Pausen planen. Ein Spaziergang, eine Dusche, ein Telefonat: Auch zehn Minuten für sich zählen.
Wo Sie Unterstützung finden
Erste Ansprechpersonen sind die Hebamme, die Frauenärztin oder der Frauenarzt, die Kinderärztin oder die Mütter- und Väterberatung. Sie können Sie auch an passende Fachstellen weiterleiten. Wenn Sie sich nicht an eine bestimmte Person wenden möchten, erreichen Sie die Dargebotene Hand unter der Nummer 143, rund um die Uhr und anonym.
Wenn Sie Gedanken haben, sich selbst oder Ihrem Kind etwas anzutun, oder wenn Sie sich in einer akuten Notlage befinden, wählen Sie bitte sofort den Notruf 144 oder gehen Sie in die nächste Notaufnahme. Sie sind damit nicht allein, und es gibt Hilfe.
Was pädagogische Begleitung leisten kann
Ein Gespräch kann entlasten, Orientierung geben und helfen, den neuen Alltag zu ordnen. Es ersetzt aber keine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung. Bei Verdacht auf eine Depression ist die ärztliche Abklärung der wichtige erste Schritt.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information. Er ersetzt keine medizinische, psychotherapeutische oder psychiatrische Diagnostik und Behandlung.