Mutterschaft

Bindung entsteht im Alltag

Von Andra Adler · · 5 Min. Lesezeit

Viele Eltern setzen sich unter Druck: Mache ich alles richtig? Bin ich genug da? Habe ich zu schnell oder zu langsam reagiert? Die gute Nachricht aus der Bindungsforschung ist: Es geht nicht um Perfektion. Bindung wächst in vielen kleinen Alltagsmomenten.

Was ist Bindung?

Bindung ist die enge emotionale Beziehung zwischen einem Kind und seinen wichtigsten Bezugspersonen. Sie gibt dem Kind Sicherheit. Weil es weiss, dass jemand da ist, wenn es Hilfe braucht, kann es neugierig die Welt entdecken. Aus dieser sicheren Basis wächst später Vertrauen in sich selbst und in andere.

Feinfühligkeit ist der Schlüssel

Entscheidend für eine sichere Bindung ist Feinfühligkeit. Das bedeutet, die Signale des Kindes wahrzunehmen, richtig zu deuten und ausreichend schnell und passend darauf zu reagieren. Ein Baby, das weint, sagt: «Ich brauche etwas.» Ob Hunger, Nähe, Ruhe oder frische Windeln: Wer hinschaut und antwortet, vermittelt dem Kind: «Du bist wichtig, und ich bin da.»

Fehler gehören dazu

Niemand erkennt jedes Signal sofort. Das ist auch nicht nötig. Die Forschung zeigt, dass Eltern das Signal eines Kindes nicht immer beim ersten Mal richtig deuten. Wichtig ist, dass Missverständnisse wieder repariert werden: Sie probieren etwas anderes, trösten, entschuldigen sich, wenn Sie laut geworden sind. Genau diese Erfahrung, dass nach einem Bruch die Beziehung wieder da ist, stärkt das Vertrauen eines Kindes.

Bindung im ganz normalen Alltag

Auch Sie brauchen Fürsorge

Wer sich ständig überfordert oder erschöpft fühlt, hat weniger Kraft für Feinfühligkeit. Das ist menschlich. Achten Sie deshalb auch auf sich: Schlaf, Pausen und Unterstützung durch Partner, Familie oder Freunde sind keine Extras, sondern ein Teil guter Fürsorge.

Bindung ist auch später möglich

Bindung ist nicht auf die ersten Lebensmonate beschränkt. Beziehungen können sich auch später noch entwickeln und verändern, bei Kleinkindern, Schulkindern und Jugendlichen. Es ist nie zu spät, näher aufeinander zuzugehen.

Wenn Sie unsicher sind

Wenn Sie sich Sorgen um die Beziehung zu Ihrem Kind machen oder Fragen zu seiner Entwicklung haben, hilft ein Gespräch. Bei Sorgen um die Gesundheit sind Kinderärztin und Hebamme die richtigen Ansprechpersonen.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information. Er ersetzt keine medizinische, psychotherapeutische oder psychiatrische Diagnostik und Behandlung.

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